Respekt vor Politikern

In den letzten Wochen hatte ich Gelegenheit, nach langer Unterbrechung, einige Politiker und deren Mitarbeiter in Aktion zu erleben.
Nicht bei den üblichen Videoschnipseln bei Abendschau oder Tagesschau mit kurzen Statements oder die inszenierten Unterhaltungsdialoge in Talkshows.
Nein, diesmal im echten Leben.
Wegen der bekannten Entwicklung um die persönliche Assistenz  waren die Lebenswege sehr plötzlich und kurzfristig von einer laufenden Entwicklung eines Bundesgesetzes betroffen. Und nicht nur theoretisch irgendwann in ein paar Jahren sondern nächsten Monat.
Das bedeutete sich sofort mit Referentenentwürfen, Kommentierungen und wieder neuen Textversionen auseinander zu setzen und die für uns wichtigen Passagen zu verstehen und die Folgen zu bewerten.
Erstaunlich viel Text.
Allein die letzte Fassung des BTHG beinhaltet etwa 60 Änderungsanträge, die jeweils für sich schon kleine Textmonster sind. Weit weg von einfacher oder leichter Sprache.
Für die Bundes- und Landespolitiker war dieses Gesetz nur eine von vielen Gesetzesvorlagen, die quer über Bundes- und Landesebene, Fraktionen, Ministerien und auch Lobbygruppen verhandelt werden.
Als Vertreter von sehr speziellen Interessen (Pflege und Assistenz, Berlin, LK32, dreiseitiger Vertrag,—> „persönliche Assistenz“) ist man zwangsläufig bald „Experte“ für sehr spezielle, einzelne Textabschnitte im Gesetzestext und hofft durch stete Wiederholung der eigenen Perspektive und Argumente positive Änderungen zu bewirken.
Die Ruhe und Routine, mit der sich einige Fachpolitiker auf die Diskussionen eingelassen haben, haben mich schwer beeindruckt.
Argumente wurden nicht nur aufgenommen, es wurden auch immer wieder kontroverse Standpunkte gegenüber gestellt und Integrationsversuche diskutiert.
In „Postfaktischen Zeiten“ gewinnt man mit übersichtlichen Solidaritätserklärungen oder lautstark vorgetragen Maximalforderungen im Sinne der „guten Sache“ sicherlich einfacher Zustimmung und Sympathie.
Umso mehr habe ich Respekt vor den Politikern, die sich immer wieder auf den komplexen Weg der Kompromissfindung einlassen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.